Bordsteinradwege sind absolut unzeitgemäß!
Die Stadt plant, zwischen dem Verteilerkreis an den Kaiserthermen und der Metzer Allee einen Bordsteinradweg anzulegen, um so die Lücke zwischen dem kürzlich fertiggestellten Bordsteinradweg zwischen Stadtbad und Verteilerkreis sowie dem Radweg unterhalb der Europäischen Rechtsakademie zu schließen. Die Maßnahme soll insgesamt 462.000 Euro kosten, hierbei sind allerdings auch Kosten inbegriffen, die nicht der Radverkehrsförderung dienen. Der ADFC-Kreisverband sah sich angesichts der hohen Kosten und der Tatsache, dass die Verwaltung wieder einmal auf die Anlage eines teuren Bordsteinradwegs setzt, zu einer deutlichen Stellungnahme veranlasst. Lesen Sie im Folgenden den Wortlaut der Stellungnahme, die am Montag an die im Stadtrat vertretenen Fraktionen sowie die Baudezernentin ging.
Sehr geehrte Frau Beigeordnete Kaes-Torchiani,
sehr geehrte Fraktionen des Stadtrats,
zunächst möchten wir auf diesem Wege unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, dass der Stadtrat mit der erweiterten Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr eine wichtige Forderung des ADFC-Kreisverbands aufgegriffen und zwischenzeitlich auch realisiert hat. Auch die beschlossene testweise Einrichtung von Querungsmöglichkeiten der Fußgängerzone findet unsere ungeteilte Zustimmung, zumal es sich ja auch hierbei um Maßnahmen handelt, die von uns wiederholt eingefordert wurden.
Aus den Medien haben wir nun erfahren, dass der Dezernatsausschuss IV in seiner Sitzung am Dienstag, 3. November, über den vom Stadtrat zu fassenden Baubeschluss für das Radwegteilstück Spitzmühle beraten wird. Das, was wir aus der Presse erfahren konnten, veranlasst uns zu einer sehr eindringlichen Stellungnahme und der Bitte an die Verwaltung und die zuständigen Gremien des Rates, die vorliegenden Pläne ernsthaft zu überdenken.
Folgende Aspekte veranlassen uns zu diesem Schritt:
1) Der Ausbau des zweiten Teilstücks des Radwegs sowie die damit zusammenhängenden Maßnahmen im Bereich der Fahrbahn und des Fußgängerwegs, sollen laut uns vorliegenden Informationen rund 460000 Euro kosten und ausschließlich aus dem Haushaltstitel “Einzelmaßnahmen Radverkehr” finanziert werden.
Angesichts des relativ kurzen Teilstücks halten wir diese Summe für nicht mehr darstellbar; insbesondere vor dem Hintergrund, dass der erste Bauabschnitt ebenfalls mit mehreren hunderttausend Euro zu Buche schlug. Darüber hinaus kann und darf es nicht sein, dass die gesamte Maßnahme ausschließlich aus dem Etat für den Radverkehr gedeckt werden soll, obwohl beispielsweise auch eine Erneuerung der Fahrbahndecke vorgesehen ist.
2) Bei einem Gespräch in der Verwaltung vor Beginn des ersten Bauabschnitts hatten wir bereits unsere ernsthaften Bedenken gegenüber der Planung geäußert. Aus gegebenem Anlass möchten wir deshalb noch einmal betonen, dass die Anlage von Bordsteinradwegen nicht nur außerordentlich teuer ist, sondern zudem auch nur wenig zur Sicherheit der Radfahrer beiträgt. Wir sprechen uns klar für die Anlage von wesentlich kostengünstigeren Radfahrstreifen aus und bitten Sie um Auskunft darüber, inwiefern innerhalb der Verwaltung geprüft wurde, ob das fehlende Teilstück zwischen Kreisel und Spitzmühle auch durch eine Fahrradspur- oder Umweltspurlösung geschlossen werden könnte.
Nach der Realisierung des ersten Bauabschnitts ist uns selbstverständlich vollkommen klar, dass es einen Lückenschluss geben muss. Jedoch hegen wir sehr große Zweifel, ob der bauliche und finanzielle Aufwand für den zweiten Bauabschnitt noch in einem vertretbaren Verhältnis zum Gesamtnutzen für den Radverkehr stehen würde. Nach unserer festen Überzeugung müssen kostengünstigere Lösungen ernsthaft geprüft werden. Wir sorgen uns in diesem Zusammenhang auch um die gesellschaftliche und politische Akzeptanz von Investitionen in den Radverkehr, wenn eine einzelne Maßnahme die Stadt derart teuer zu stehen kommt.
3) Auch nach der Realisierung der nun vorgesehenen Maßnahme – in welcher Form auch immer – ändert sich vorerst nichts an der fehlenden Radverkehrsanbindung von der Metzer Allee in die Ostallee sowie in die Olewiger Straße und Trier-Ost. Wer beispielsweise vom Mariahof oder Heiligkreuz aus kommend mit dem Fahrrad in Richtung Palastgarten oder Olewig unterwegs ist, wird von der Fahrbahn weg in mehrere Unterführungen geführt, die noch dazu als Fußgängerwege ausgeschildert sind. Ähnlich stellt sich die Situation auf dem Weg von der Metzer Allee in die Kaiserstraße dar: Statt den Radverkehr hier auf der Fahrbahn, also auf direktem Weg zu führen, müssen Radfahrer nun mehrere Fußgängerampeln und Umwege in Kauf nehmen.
Diese und weitere Kritikpunkte hatten wir im vergangenen Jahr bereits in einem Gespräch mit den Kollegen Stock und Metzen zum Ausdruck gebracht. Wir halten eine Radverkehrsplanung, die weiterhin auf die Anlage sehr teurer Bordsteinradwege setzt, für absolut unzeitgemäß. In diesem Zusammenhang möchten wir auch an unsere Kritik im Zusammenhang mit den Plänen für die Loebstraße erinnern. Selbstverständlich ist eine unmittelbare Radwegeverbindung zwischen Ruwer und Trier-Nord nur über die Loebstraße möglich. Entsprechend lehnen wir auch jegliche Alternativführungen entlang der Mosel oder über die Metternichstraße entschieden ab und danken der Mehrheit des Rats dafür, dass diese Überzeugung geteilt wird.
Jedoch sollte der Radweg optimalerweise AUF der Fahrbahn der Loebstraße geführt werden, um so auch eine direkte Verbindung über den Verteilerkreis Nord in die Herzogenbuscher- und in die Franz-Georg-Straße zu schaffen. Eventuell böte dies auch die Möglichkeit, mit den Kritikern des Radwegs eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Sehr geehrte Frau Beigeordnete, sehr geehrte Damen und Herren Ratsmitglieder,
wir bitten Sie, oben angeführte Kritikpunkte bei Ihren Beratungen und Entscheidungen sowie weiteren Planungen zu berücksichtigen. Wir freuen uns, dass die Förderung des Radverkehrs seit einigen Monaten einen deutlich höheren Stellenwert genießt. Hierfür möchten wir uns an dieser Stelle bei allen Beteiligten herzlich bedanken und Sie zugleich ermuntern, ihre Arbeit in diesem Sinne fortzuführen.
Zugleich möchten wir Sie bitten, unseren Rat und unsere Einschätzung zu anstehenden Radverkehrsplanungen frühzeitig einzuholen. Denn uns allen muss daran gelegen sein, im Interesse aller Verkehrsteilnehmer die in jeder Hinsicht bestmöglichen und finanziell vertretbaren Lösungen zu realisieren.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Bellmann
Verkehrspolitischer Referent des ADFC Kreisverbands Trier

